Bei Deflation steigen die Personalkosten!

Freitag, 28. November 2008 um 16:27

Autor: Dr. Ulrich Fiechter

Die Wirtschaft steht kopf. Vor knapp einem halben Jahr ist in der Presse die drohende Gefahr einer Inflation an die Wand gemalt worden. Heute, nur ein paar Monate später, sieht die Lage ganz anders aus. Statt eines massiv steigenden Preisniveaus, ist eine Abkühlung der Konjunktur zu beobachten. In den USA sind nach Zeitungsberichten die Konsumentenpreise im Monat Oktober gegenüber dem Vormonat sogar um 1,0 % gefallen. Ein derart starker Rückgang ist in den letzten sechzig Jahren noch nie beobachtet worden. Einige Ursachen sind bekannt, so sind beispielsweise die Preise für Energieträger und Lebensmittel plötzlich wieder gefallen. Dies wird von vielen Marktteilnehmern auch positiv aufgenommen. Wenn jedoch wegen des Konjunktureinbruchs die Preise vieler Güter und Dienstleistungen fallen sollten, ist dies ein Signal für eine sich abzeichnende Wirtschaftskrise. 

Droht uns eine Deflation?

Der berichtete Rückgang des allgemeinen Preisniveaus kann den Beginn einer Deflation darstellen. Eine „Deflation ist das Gegenteil von einer Inflation  und bezeichnet ein über mehrere Perioden anhaltendes Sinken des allgemeinen Preisniveaus. Die Deflationsrate misst die prozentuale Abnahme des Preisindexes. Entsprechend zur Inflation führt Deflation zu einem Anstieg der Kaufkraft des Geldes.“ Erläutert die Schweizerische Nationalbank (SNB) in ihrem Glossar dieses Phänomen. In der Schweiz ist das Preisniveau weiterhin angestiegen, aber wir beobachten einen Rückgang der Inflationsrate. Laut dem Bundesamt für Statistik lag der Landesindex der Konsumentenpreise im Juli 2008 um 3,1 % höher als im Juli 2007. Im Oktober 2008 betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat nur noch 2,6 %. Wie es weiter geht, werden wir in den nächsten Monaten sehen.

Welches wären für KMU die Konsequenzen einer Deflation?

Ein Rückgang des allgemeinen Preisniveaus beruht darauf, dass die Preise für die im Index berücksichtigten Güter und Dienstleistungen sinken. Dies kann sich für viele Unternehmungen als Schwierigkeit erweisen. Seit dem letzten Kauf von Geräten, Software, Materialien sind deren Preise gefallen. Die eigenen Verkaufspreise werden gesenkt, weil der Bestellungseingang eingebrochen ist, was die Marge zusätzlich schmälert. Werden sinkende Preise erwartet, dann werden die Kunden Aufträge hinauszögern, um eventuell noch günstigere Konditionen aushandeln zu können. Selbst der Unternehmer wird unter Umständen geplante Investitionen oder teure Entwicklungsvorhaben hinausschieben. Der Marktwert von Anlagen, Einrichtungen und Immobilien nimmt ab.

Noch anspruchsvoller wird der Umgang mit den Personalkosten. Auch wenn die Nominallöhne gleich bleiben, aber die Konsumentenpreise fallen, bedeutet dies, dass die Reallöhne steigen. Die Personalkosten einer Unternehmung steigen somit real an, obwohl sich die Verhältnisse auf dem Absatzmarkt verschlechtert haben. Es gibt Unternehmungen, die beachten diese Entwicklung kaum. Plötzlich können jedoch die Kosten nicht mehr gedeckt werden. Und es werden Mitarbeiter, die über viele Jahre ein wertvolles Knowhow aufgebaut haben, entlassen, um die Personalkosten zu senken. Offene Gespräche zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern sind dringend notwendig. Eine derartige aussergewöhnliche Entwicklung der Wirtschaft erfordert zusätzliche Flexibilität von allen Beteiligten, wenn der Schaden für die Unternehmung und die Mitarbeitenden möglichst klein gehalten werden soll.

 Dr. Ulrich Fiechter, Unternehmensberatung, Bern