KMU und die Finanzkrise
Kann eine Bank auch für KMU zum Klumpenrisiko werden?
Die Berichte über die aktuelle Finanzmarktkrise verursachen auch den Unternehmern Unbehagen. Viele haben nach einem oder mehreren erfolgreichen Geschäftsjahren das laufende Jahr mit viel Zuversicht und einem hohen Auftragsbestand gestartet. Parallel dazu treffen jedoch seit knapp einem Jahr immer wieder Meldungen mit neuen Hiobsbotschaften aus der Bankenwelt ein. Verschiedene Banken, einige davon gehören zu den weltweit grössten, müssen unter ihren Aktiven aufgeführte Bestände in der Höhe von vielen Milliarden Schweizer Franken oder US-Dollars abschreiben. Ein kumuliertes Abschreibungsvolumen, das bei einzelnen Banken, auch durch die über mehrere Jahre erzielten Gewinne, nicht ausgeglichen werden kann.
Wenn ein Unternehmer erfährt, dass ein grosser Kunde Verluste erleidet, wird er sofort hellhörig. Er verlangt unter Umständen höhere Anzahlungen oder zusätzliche Sicherheiten. Durch Verbreiterung seiner Kundenbasis vermeidet er einseitige Abhängigkeiten und sogenannte Klumpenrisiken. Ähnlich gestaltet er die Verhältnisse auf der Lieferantenseite.
Wie sieht es auf der Finanzierungsseite aus? Vor vielen Jahren war die Unternehmerin oder der Unternehmer vielleicht froh über den erhaltenen Kredit zum Aufbau oder zur Weiterentwicklung des Geschäftes. In den letzten paar guten Geschäftsjahren, konnten Gewinne erzielt und Investitionen amortisiert werden. Die Verhältnisse haben sich geändert. Statt umfangreiche Kredite von der Bank zu beanspruchen, sind vielleicht grosse Beträge bei der Bank angelegt. In diesem Fall bei einem Schuldner, der über Jahre danach strebte, Stabilität und Sicherheit auszustrahlen.
Die Bilder der Kunden, die letzten Herbst bei der Bank Northern Rock in Grossbritannien, ihre Gelder abhoben, erinnern an die Reihen von aufgewühlten Sparern, die 1991 vor den verschlossenen Türen der Spar- und Leihkasse in Thun standen und vergeblich ihr Geld zurückforderten. Am Beispiel der Bank Bear Starns in den USA haben auch die Aktionäre mit Schrecken feststellen müssen, auf welch schwachen Fundamenten vermeintlich stabile Finanzinstitute heut stehen. Es erhärtet sich der Verdacht, dass selbst die oberste Leitung dieser Institute, denen wir letztlich unser sauer verdientes Geld ausleihen, grosse Risiken nicht erkannten, die sie bei ihrer Geschäftstätigkeit eingegangen sind.
Nach zehn Monaten Turbulenzen auf den Finanzmärkten sollte es heute eigentlich jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer bewusst geworden sein, dass auch bei der sogenannten ?Hausbank? ein Gegenparteienrisiko besteht. Eine einseitige Abhängigkeit kann auch in diesem Fall ein Klumpenrisiko darstellen. Die Höhe dieses Risikos können Bankkunden jeweils äusserst schwer abschätzen. Bis jetzt haben jedenfalls die verantwortlichen Leiter der Banken keine entsprechende hilfreiche und vertrauensfördernde Transparenz geschaffen. Es dürfte deshalb in der heutigen Zeit auch für eine Unternehmensleitung angezeigt sein, das Gegenparteienrisiko auf der Finanzierungsseite durch einen Abbau der einseitigen Abhängigkeit von einer Bank zu reduzieren.
Dr. Ulrich Fiechter, Unternehmensberatung, Bern
Hinweise und nützliche Links:
Die Eidgenössische Bankenkommission hat auf der Homepage ihren am 29. Januar 2008 veröffentlichten Bericht zur Bankinsolvenz bereit gestellt. Der EBK-Bankinsolvenzbericht gibt einen Überblick über die bisherigen Erfahrungen mit dem seit dem 1. Juli 2004 geltenden neuen Schweizer Bankeninsolvenzrecht. Zum anderen formuliert er Anliegen der EBK mit Blick auf internationale Bankinsolvenzen.
http://www.ebk.admin.ch/d/publik/positionspapiere/index.html
Ebenfalls sind dort Antworten zu häufig gestellten Fragen über den Einlegerschutz zu finden.
http://www.ebk.admin.ch/d/faq/faq7.html