Mit Buchpreisbindung zurück ins Mittelalter

Montag, 30. Mai 2011 um 09:32

Autor: Dr. Ulrich Fiechter

Die Buchpreisbindung des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes widerspricht dem Kartellgesetz und einem allgemeinen Verständnis von wohl funktionierenden Märkten. Deshalb haben sich in den letzten Jahren die Wettbewerbskommission, das Bundesgericht und der Bundesrat, gestützt auf die Ergebnisse umfassender Untersuchungen im In- und Ausland, sorgfältig begründet, dagegen ausgesprochen. Die Preisbindung wurde danach im Mai 2007 aufgehoben. Es ist deshalb unverständlich, weshalb National- und Ständerat nur vier Jahre später erneut die Einführung der Buchpreisbindung beschliessen. Wollen diese Parlamentarier uns Buchkäufer tatsächlich wieder in die miserablen Marktverhältnisse zurückversetzen, denen wir als Konsumenten über Jahrzehnte ausgeliefert waren?

Der folgende Vorfall eignet sich beispielhaft, die damaligen Verhältnisse in Erinnerung zu rufen. Im Februar 1991 bestellte ich bei einer Buchhandlung in Bern ein Buch, das im amerikanischen Buchhandel zu dem auf dem Umschlag aufgedruckten Preis von US $ 49.10 angepriesen und verkauft wurde. Der US $ wurde zu weniger als 1.30 CHF/US $ gehandelt. Ich rechnete mit Beschaffungskosten in der Höhe von CHF 63.80 plus Porto. Im März 1991 wurde mir das Buch ausgeliefert mit einer Rechnung über CHF 107.50 beziehungsweise einem Zuschlag von 68 % auf dem Ladenpreis in den USA. Die Buchhandlung begründete mir in ihrem Brief vom 12. März 1991 diesen Preisaufschlag im Detail. Gemäss der Kartellvereinbarung hätten sie einen Mindestrabatt von 25 % auf dem US-Ladenpreis zugute. Zudem enthalte die Umrechnungstabelle des Kartells der Buchhändler und Verleger einen höheren Wechselkurs von 1.64 CHF/US $ (dies entspricht einem Zuschlag von 26 % auf dem damals aktuellen Wechselkurs). Damit würden die Unkosten der Buchhandlung und das Porto gedeckt. Diese schriftliche Begründung widerspiegelt die damals herrschenden Verhältnisse, das Kartell hatte den Preiswettbewerb ausgeschaltet. Die Buchhandlung konnte deshalb, trotz des übersetzten Preises, annehmen, dass ich nicht wegen des Preises zu einer andern Buchhandlung wechseln werde.

Dr. Ulrich Fiechter, Unternehmensberatung, Bern