Zur Ethik in der Wirtschaft

Montag, 15. September 2008 um 09:30

Autor: Dr. Ulrich Fiechter

Sich an sittliche und moralische Grundsätze zu halten, zahlt sich auch in der Wirtschaft aus. Eine alte Einsicht, die aber offenbar im Verlaufe der Zeit regelmässig in den Hintergrund gedrängt wird. Deshalb machen Unternehmer immer wieder schlechte Erfahrungen im Geschäftsalltag, und unvermittelt sind sie dann auch mit neuen Initiativen zugunsten von mehr Ethik in der Wirtschaft konfrontiert. Ein Beispiel dafür ist die „Thuner 10-Punkte-Ethik-Charta“. 

Weitsichtiges Unternehmertum

Unternehmerinnen und Unternehmer, die vorausschauend, verantwortungsbewusst und auf lange Frist ausgerichtet, ihr Geschäft betreiben, befolgen implizit oder explizit ethische Grundsätze. Diese habe sich meistens über Jahre aufgrund verschiedenster Erfahrungen herausgebildet. Sie werden in vielen Fällen befolgt, ohne dass sie schriftlich niedergelegt oder in umfangreichen Handbüchern verankert worden wären. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten spüren diesen von ethischen Grundsätzen geprägten Geist einer Unternehmung. So werden beispielsweise Vereinbarungen eingehalten, die Unternehmung arbeitet nicht mit Betrügern und Verbrechern zusammen und Auftraggeber werden nicht bestochen. 

Was ist dann der Nutzen einer Ethik-Charta?

Diese Frage muss jede Unternehmerin und jeder Unternehmer für sich selber beurteilen. Bei einer kritischen Betrachtung wird nämlich rasch klar, dass nicht jeder der jeweils aufgeführten Punkte für jedes Geschäft eine gleich grosse Bedeutung hat. Nachfolgend wird beispielhaft auf fünf für viele Unternehmungen mögliche Vorteile hingewiesen:

Erstens führt eine Ethik-Charta der Unternehmerin und dem Unternehmer wieder einmal vor Augen, wie vielfältig die unternehmerische Tätigkeit ist, wenn sie umsichtig ausgeübt wird. 

Zweitens kann so eine Zusammenstellung eine Grundlage für ein Gespräch mit Geschäftsleitung und allen Mitarbeitenden bilden, um bisher von Einzelnen stillschweigend befolgte ethische Grundsätze zu klären und allen bewusst zu machen.

Drittens kann sie die Einführung neuer Mitarbeiter in die spezifischen Eigenheiten eines Unternehmens erleichtern. 

Viertens kann eine solche Charta einen grundlegenden Anstoss für ein Umdenken bei all jenen bilden, die bisher ihr Glück in Aktionen suchten, die auf nur kurze Sicht angelegt waren, und dabei die längerfristig negativen Konsequenzen dieses Handelns für das Unternehmen ausblendeten. 

Und fünftens wird durch die kritische Reflexion über eine Ethik-Charta vielleicht im einen oder andern Fall eine Gefahr oder eine Chance für die Unternehmung herausgearbeitet, die man bisher wegen Zeitmangel nicht beachtet hat.  

Dr. Ulrich Fiechter, Unternehmensberatung, Bern

 

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